Gesunde Böden sind die Grundlage gesunder Lebensmittel. Mit der Hilfe von Drohnen und Gammasensoren macht TerraScan sichtbar, was im Boden steckt und wie Landwirtinnen und Landwirte ihre Flächen gezielt und nachhaltig bewirtschaften können.
Ein kühler Wintermorgen in Seigneux im Kanton Waadt. Es nieselt, die Wolken hängen tief, doch zwischen ihnen drückt die Sonne etwas durch. Die Natur ruht. Für Landwirt Olivier Bonjour ist jetzt der richtige Zeitpunkt, genauer hinzuschauen. Und zwar nicht auf die Pflanzen, sondern in den Boden. «Der Boden muss heute viel mehr leisten. Er leidet unter Nässe und Trockenheit. Ich will wissen, wie resilient mein Boden ist, wo er seine Stärken und seine Schwächen hat», sagt er.
Gemeinsam mit zwei LANDOR Mitarbeitenden steht der Bauer am Feldrand. Christoph Brönnimann ist Leiter Innovationen und Versuche, Quentin Egli langjähriger Berater bei LANDOR. Heute kommt TerraScan zum Einsatz, so heisst der neue Bodenanalyseservice der fenaco Düngemittelspezialistin. TerraScan erlaubt es, den Zustand der verschiedenen Parzellen umfassend zu analysieren und konkrete Empfehlungen für die weitere Bewirtschaftung abzuleiten. Der Service kombiniert Drohnenflüge mit modernster Sensortechnik und fachlicher Beratung.
Beratung als Ausgangspunkt
Bevor die Drohne startet, wird der Einsatz vorbesprochen und sorgfältig vorbereitet. Christoph Brönnimann und Quentin Egli arbeiten dabei eng mit der regionalen LANDI zusammen. Sie ist für viele Betriebe die erste Anlaufstelle und vermittelt den Kontakt. Gemeinsam beginnen sie mit einer umfassenden Standortanalyse. Zuerst geht es darum, den Betrieb und seine Besonderheiten genau zu verstehen. Welche Parzellen sollen analysiert werden? Welche Informationen benötigt der Landwirt? Wo liegen die betrieblichen Schwerpunkte? Auch Fragen zu Ertragszielen sowie zur Fruchtfolge und bisherige Beobachtungen auf den Flächen fliessen in die Vorbereitung ein.
Für Quentin Egli gehört die Beratung genauso dazu wie die Technik. «Die Karte, die uns TerraScan liefern wird, ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, was wir daraus für den Betrieb ableiten können.» Und Christoph Brönnimann ergänzt: «Böden können sehr heterogen sein. Ohne fundierte Daten bleibt vieles eine Annahme. Mit TerraScan schaffen wir eine objektive Grundlage, um relevante Unterschiede innerhalb einer Parzelle sichtbar zu machen.»
Der Bodenscan auf dem Feld
Zurück auf dem Feld, die Drohne hebt ab. Sie stammt aus dem Drohnenpark der Agrarpiloten, die TerraScan Einsätze im Auftrag von LANDOR durchführen. Ihr wichtigster Passagier ist ein passiver Gammasensor, der die natürliche radioaktive Strahlung des Bodens misst. Diese sogenannte terrestrische Gammastrahlung entsteht durch natürlich vorkommende Elemente wie Kalium, Uran oder Thorium im Gestein und im Boden. Sie ist überall in der Umwelt vorhanden und für Menschen, Tiere und Pflanzen ungefährlich. Die Messung erfolgt bis in eine Tiefe von rund 60 Zentimetern – genau dort, wo die meisten Pflanzen wurzeln und wo Nährstoffverfügbarkeit und Wasserspeicherung entscheidend sind. Ein spezieller Kristall im Sensor registriert die Strahlung. Für das Auge bleibt sie unsichtbar. Aus den Messwerten wird eine digitale Karte berechnet, die später analysiert wird.
Zur Kalibrierung der Messdaten entnimmt das Team Referenzproben aus dem Boden, die im Labor analysiert werden. Christoph Brönnimann betont den Mehrwert dieses Ansatzes: «Wir kombinieren Sensortechnik mit klassischen Bodenanalysen. Dadurch erhalten wir fundierte Informationen, die weit über punktuelle Proben hinausgehen.» Im Unterschied zu herkömmlichen Bodenproben, die nur einzelne Punkte erfassen, entsteht ein flächendeckendes Bild.
Von der Karte zur Massnahme
Nach dem Feldscan folgt die Auswertung. Die gesammelten Daten werden zu einer digitalen Bodenkarte aufbereitet. Dabei werden Intensitätsunterschiede in der Gammastrahlenmessung mit konkreten Bodeneigenschaften verknüpft. Auf dem Bildschirm erscheinen die Zonen in unterschiedlichen Farben. Sie zeigen Unterschiede in Textur, Humusgehalt, pH-Wert und Nährstoffverteilung im Boden.
Berater Quentin Egli erklärt: «Entscheidend ist nun die Interpretation der Daten. Auf dieser Grundlage kann ich Olivier Bonjour detailliert Empfehlungen zur Düngung, Kalkung oder Bodenbearbeitung geben.» Die Konsequenz sind teilflächenspezifische Bodenpflegemassnahmen. Bei diesem ressourcenschonenden agronomischen Ansatz bringen Landwirtinnen und Landwirte Hilfsmittel nur noch dort aus, wo sie auch wirklich benötigt werden: Kalk erhalten nur Partien, deren pH-Wert es verlangt. Dünger wird gezielt dort eingesetzt, wo der Boden die Nährstoffe wirklich benötigt. «Eine klassische Bodenanalyse liefert nur einen Durchschnittswert pro Parzelle», sagt Quentin Egli. «Mit der Zonierung können wir dort ansetzen, wo das Potenzial oder der Bedarf besonders hoch ist.» Für Olivier Bonjour sind die Erkenntnisse wertvoll: «Mit dieser Karte kann ich Hilfsstoffe gezielter einsetzen. Das schont die Umwelt und mein Portemonnaie.» TerraScan trägt dazu bei, den teilflächenspezifischen Ansatz in der Praxis umzusetzen. Das ist wichtig, um die Nachhaltigkeitsziele des Bundes zu erreichen. Bis 2027 sollen die Risiken beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln halbiert, bis 2030 die Nährstoffverluste deutlich reduziert werden; beim Stickstoff um 15 % und beim Phosphor um 20 %.
Eine Investition in die Zukunft
Bodenstrukturen verändern sich nur langsam. Besonders bei stabilen Nährstoffen wie Phosphor und Kalium bieten die Karten eine langfristige Grundlage. Informationen zur Bodentextur und zum Humusgehalt geben zudem Hinweise auf Wasserspeicherfähigkeit und Verdichtungsrisiken. Das sind zentrale Faktoren für die Bodengesundheit. Landwirtinnen und Landwirte, welche die Beschaffenheit ihrer Böden genau kennen, können die Gefahr von Überschwemmungen oder übermässiger Nässe besser einschätzen und mit geeigneten Massnahmen eindämmen.
Für Olivier Bonjour ist klar: «Der Boden ist die Basis. Wenn er nicht funktioniert, funktioniert auch die Kultur nicht.» Nur gesunde Böden liefern gute Erträge. TerraScan unterstützt ihn dabei, seinen Boden besser zu verstehen. Nicht als reine Unterlage, sondern als lebendiges System mit unterschiedlichen Zonen und Potenzialen. «Bodengesundheit ist eine Investition in die Zukunft», fasst Christoph Brönnimann zusammen. «Je besser wir den Boden verstehen, desto gezielter können wir ihn bewirtschaften und langfristig erhalten.»