Mit dem Bau eines gemeinsamen Laufstalls haben Martin Blaser und Markus Schafroth ihre Milchviehbetriebe zusammengeführt und automatisiert. Dank dieser Massnahmen verbesserten sie ihre Work-Life-Balance.
Im Herzen des Emmentals, eingebettet zwischen Hügeln und Feldern, steht im Weiler Bubenei (BE) der neue Stall von Martin Blaser und Markus Schafroth. Luftig und hell gebaut, erscheint er wie ein Versprechen: von mehr Freiheit, mehr Effizienz, mehr Zukunftsfähigkeit. Drinnen brummen leise zwei Melkroboter, die Fütterungsanlage schiebt gleichmässig Mischration voran, während der Mistroboter geschäftig seine Bahnen zieht.
Martin Blaser (Jg. 1987) und Markus Schafroth (Jg. 1977) gehen nebeneinander durch den breiten Mittelgang. Man sieht ihnen an, dass in diesem Stall viel Arbeit, aber auch viel Stolz steckt. Vor drei Jahren keimte in den beiden der Wunsch nach einer Veränderung. Beide bewirtschafteten damals rund 40-jährige Ställe in nächster Nachbarschaft. «Wir wussten: Wenn wir investieren, dann richtig», sagt Martin Blaser. «Nicht nur erneuern, sondern die Arbeitsbelastung spürbar senken.» Markus Schafroth bringt es auf den Punkt: «Oft dachte ich: Am Sonntag mal länger liegen bleiben zu können, wäre schon toll.»
Verlässlichkeit auch dank Automatisierung
Die ökonomischen Rahmenbedingungen liessen wenig Spielraum. Milch bleibt ein günstiges Rohprodukt, Arbeitskräfte hingegen sind teuer und rar. Eine zusätzliche Stelle würde Personalkosten von jährlich CHF 60 000.– bis 70 000.– verursachen. So entschieden sie sich für eine Unterstützung durch einen Roboter. «Automatisierung ersetzt weder die menschliche Erfahrung noch Verantwortung», betont Martin Blaser. «Aber sie erleichtert die harte Arbeit massgeblich und schafft Verlässlichkeit.» Für die beiden war klar: Ein klassischer Melkstand würde sie zu stark binden. In Betrieben mit Melkrobotern dagegen wirkten die Kühe entspannter, die Euter seien nie übervoll, der Tagesrhythmus freier. «Heute sind wir gottfroh, dass auch wir diesen Schritt gemacht haben», freuen sich die Landwirte.
Entscheidend für den Erfolg war nicht allein die Technik, sondern vor allem die Zusammenarbeit. Noch bevor der erste Bagger auffuhr, gründeten Martin Blaser und Markus Schafroth ihre Betriebszweiggemeinschaft und klärten alle rechtlichen Fragen bis ins kleinste Detail. «Wir haben fast ein bisschen geheiratet – und gleich einen Ehevertrag gemacht», sagt Markus Blaser mit einem Schmunzeln. Die klare Regelung bildet bis heute das Fundament ihrer Zusammenarbeit und schafft Vertrauen im Alltag.
Von der Sieben-Tage-Woche zur neuen Freiheit
In neun Monaten entstand der neue Stall parallel zum Arbeitsalltag. Die Zeit war intensiv, aber die beiden Landwirte erhielten viel Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld. Als der Stall im November 2024 fertiggestellt war, veränderte sich ihr Alltag schlagartig. Markus Schafroth erinnert sich an einen prägenden Moment: «Am ersten Sonntagabend war ich um 18 Uhr zu einem Apéro eingeladen – und konnte tatsächlich hingehen. Wobei das schon Überwindung brauchte, denn jahrelang war ich um diese Zeit im Stall.» Heute ist das anders. Ferien sind möglich, ohne organisatorischen Kraftakt. «Früher hat mich der Betriebshelfer fast mehr gekostet als die Reise selbst», sagt Markus Schafroth. «Jetzt kann ich einfach gehen. Aber ich musste erst lernen, dass ich auch mal wegdarf.» Martin Blaser investiert seine neu gewonnene Zeit in die Familie: «Unser ältester Sohn schwingt. Jetztkann ich auch mal den ganzen Tag mit ihm ans Schwingfest.»
Effizienz durch Weitblick
Der Stall ist auf 110 Kühe ausgelegt. Mit einer weiteren Baubewilligung kann er ohne technische Änderungen erweitert werden; aktuell stehen rund 86 Milchkühe darin. Die zwei Melkroboter sind noch nicht voll ausgelastet; es besteht noch Entwicklungsspielraum. Während früher mit rund fünf Arbeitskräften etwa 400 000 Kilogramm Milch produziert wurden, sind es heute mit drei Arbeitskräften 600 000 bis 650 000 Kilogramm. «Ohne Menschen geht es eindeutig nicht», betont Markus Schafroth. Die Automatisierung schafft Zeit für Familie und Erholung und eröffnet Perspektiven für die nächste Generation. «Man muss mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit», ergänzt Martin Blaser.
Bei aller Offenheit für neue Lösungen verstehen sich die beiden nicht als Technikpioniere. «Wir kaufen nichts, was gerade aus der Entwicklung kommt», sagt Markus Schafroth. Entscheidend sei gewesen, auf bewährte Systeme zu setzen und mögliche Kinderkrankheiten zu vermeiden. Das gilt auch für die Fütterung, die im neuen Stall eine zentrale Rolle spielt.
Mit dem Neubau konnten Martin Blaser und Markus Schafroth ihre Fütterungsstrategie grundlegend anpassen. Erstmals ist der Einsatz von Silomais möglich, was eine höhere Energiedichte im Futter erlaubt. «Früher konnten wir weder Silomais noch Siloballen einsetzen», erklärt Markus Schafroth. Heute ist die Futterkonservierung flexibler organisiert: Die Arbeit verteilt sich besser über Frühling und Herbst, statt sich in wenigen intensiven Sommerphasen zu bündeln.
Ein Stall für Mensch und Tier
Heute ziehen beide eine positive Bilanz für den Umbau. «Wir haben gefunden, was wir gesucht haben», sagt Martin Blaser. Ein Stall, der nicht nur Kühen dient, sondern auch den Menschen dahinter. Dieser Stall ist ein Versprechen: für mehr Freiheit, mehr Effizienz – und eine Landwirtschaft mit Zukunft.