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«Marroni gehören zu meinem Leben»

Es ist Marronizeit. So auch bei Philipp Brändli am Zürichsee. Die Edelkastanie begleitet den jungen Landwirt schon fast sein ganzes Leben.

Es ist Marronizeit. So auch bei Philipp Brändli am Zürichsee. Die Edelkastanie begleitet den jungen Landwirt schon fast sein ganzes Leben.

Mitten im Siedlungsgebiet des Wädenswiler Ortsteils Au (ZH) liegt der Hof Oberort – ein kleines Schlaraffenland. Apfel-, Zwetschgen-, Mirabellen- und Nussbäume, Aprikosen­spaliere, Reben und ein prächtiger Kastanienhain umrahmen den Hof. Die ersten Sonnenstrah-len funkeln durch die Bäume, als Philipp Brändli frischgefallene Marroni von den ausgelegten Netzen aufliest. Dank der Netze sieht alles aufgeräumt und sauber aus. «Auch Tiere wagen sich kaum auf die dunkelgrünen Maschen. So knabbern sie die Marroni nicht an», sagt Philipp Brändli. Von Mitte September bis Ende Oktober geht er jeden Morgen und Abend zu seinen Marronibäumen. «Es war schon immer die Aufgabe von uns Kindern, die Kastanien einzusammeln», erzählt der 26-Jährige.

Philipp Brändli schaut stolz in die prächtigen Baumkronen der drei ältesten Bäume. Mittlerweile sind 21 weitere dazugekommen. Er ist heute ausgebildeter Betriebsleiter und Obstbaumeister. Anfang 2027 wird er den Betrieb von seinen Eltern übernehmen. Seine beiden älteren Geschwister haben sich beruflich anders orientiert.

Marroni – die pflegeleichte Ergänzung

Die Arbeitstage sind in der Erntezeit lang – doch Philipp Brändli ist voller Elan und Freude bei der Arbeit. «Die Kastanienbäume ergänzen unseren Obstbau ideal. Sie sind pflegeleicht, nicht anfällig auf gängige Schädlinge und die Nachfrage ist gut», erklärt Philipp Brändli. Beim Aufbau der eigenen Plantage erhielten die Brändlis Unterstützung von Kastanienspezialist Rolf Blapp. Der mittlerweile pensionierte Mitarbeiter von Agroscope besitzt eine Baumschule in Wädenswil. «Die Marroni sind seine absolute Passion. Sein Know-how und seine jungen Bäume waren für uns die beste Basis», meint Philipp Brändli. Heute wachsen im Hain zehn Sorten. Früh- und Spätsorten verlän-gern die Erntezeit, einzelne dienen als Befruchter.

In diesem Jahr rechnet Philipp Brändli mit einer totalen Erntemenge von 1000 bis 1200 Kilogramm. «Der Ertrag wird von Jahr zu Jahr steigen, denn viele Bäume sind noch jung.» Ab dem achten Standjahr tragen die grünen Schützlinge von Philipp Brändli erste grössere Erträge. Ab dem 
15. Jahr können es bis zu 150 Kilogramm pro Baum jährlich sein. Täglich sortiert er die Marroni nach Grösse und Qualität. Auch die «Igel», die stacheligen Schalen, sammelt er alle ein. Sie kommen auf den Kompost. 

Übergang in die achte Generation

Neben den Arbeiten auf dem elterlichen Hof ist Philipp Brändli als landwirtschaftlicher Fachmitarbeiter und Obstbauer bei Agroscope angestellt. Dort betreut er die Obstan­lagen, begleitet Sortenzüchtungen und Bewässerungsversuche. «Mein Arbeitsweg beträgt fünf Minuten und ich habe geregelte Arbeits­zeiten. So kann ich morgens, abends sowie am Wochenende den Arbeiten auf unserem Hof nachgehen», erklärt er. Das Arbeitspensum wird er nach der Übernahme des Familienbetriebs dennoch auf 80 % reduzieren. «Ich führe den Hof dann in der achten Generation», sagt der junge Landwirt stolz. 
 

Der Betrieb der Familie Brändli ist stets im Wandel und hat sich von Generation zu Generation weiterentwickelt: Weil einstige Pachtwie-sen Siedlungen weichen mussten, stellte der Grossvater zusammen mit dem Vater den Betrieb von Milchwirtschaft auf Obstbau um. «Mein Vater fand Gefallen an Hochstammbäumen und Reben», erzählt Philipp Brändli. Auch seine Mutter prägte den Betrieb: Vor 20 Jahren baute sie das zweite Standbein auf, den Gasthof Oberort. «Dank der Gastronomie können wir viele unserer Produkte selbst ver-arbeiten und unseren Kundinnen und Kunden anbieten», erzählt Philipp Brändli. So finden sich auf dem Menü der Gastwirtschaft, die 50 Personen bewirten mag, Konfitüren, Apfel- und Quittensaft, Tafelobst, Baumnüsse, 14 verschiedene Spirituosen und Liköre, Wein und zurzeit jede Menge Marroni und Marroniprodukte wie Aufstrich aus der eigenen Produktion. Dieselben Produkte gibt es im Hofla-den, und auch die Läden benachbarter Bäuerinnen und Bauern oder der LANDI Zimmerberg, bei der Vater Brändli Mitglied ist, führen die feinen Produkte der Bauernfamilie. Morgens und abends macht Philipp Brändli jeweils die Bestellungen parat. «Auf meinem Ar-beitsweg kann ich einiges gleich selbst ausliefern», so Phi­lipp Brändli. Auch unter seiner Leitung wird sich der Hof weiterentwickeln: «Ich kann mir gut vorstellen, vermehrt kleinwüchsige Kulturen wie Beeren, Rhabarber und Kürbis anzubauen», erzählt der unternehme-rische Landwirt mit Blick auf die nächsten Schritte.

Der Betrieb im Überblick

Gemeinde: Wädenswil (ZH)
Höhe: 420 m ü. M.
Fläche: 3,5 Hektaren
Kulturen: Apfel, Kriesi, Zwetschgen, Aprikosen, Mirabellen, Reben, Kastanien, Baumnüsse
Tiere: Bienen (5 Völker)
LANDI: LANDI Zimmerberg
 

Nuss oder Frucht?

Marroni sind die essbaren Samen der Edelkastanie. Botanisch zählen sie zu den Nussfrüchten. Im Vergleich zu anderen Nüssen enthalten sie weniger Fett, dafür viele komplexe Kohlenhydrate. Deshalb kommen Marroni in der Küche vielseitig zum Einsatz: geröstet, gekocht oder als Mehl verarbeitet.

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